Derzeit feiert die Schulpsychologie 100-jähriges Jubiläum. Zu diesem Anlass wurde am 14.10. ein Festakt veranstaltet, verschiedene Ehrungen vorgenommen, der Vergangenheit und Zukunft der Schulpsychologie gedacht. Schauen Sie auf unseren Blogseiten vorbei, auf denen wir die aktuellen Inhalte der Veranstaltung für Sie aufarbeiten.

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Lernen & Leistung

Das leidige Thema "Hausaufgaben"

1. Ich kann mit meinem Kind einfach keine Hausaufgaben machen! Wir geraten immer wieder in Streit und am Ende gibt es Tränen. Dabei weiß es eigentlich genau, was zu tun ist und schafft die Aufgaben in der Schule sehr gut.

Hausaufgaben führen häufig zu Streit in den Familien. Wichtig ist es jedoch, dass man gemeinsame Routinen und Rituale mit dem Kind schafft. Das könnte zum Beispiel sein, dass Sie sich jeden Tag eine Uhrzeit mit Ihrem Kind ausmachen, in der Sie die Hausaufgaben kontrollieren und ggf. Hilfestellungen anbieten. Das muss nicht immer gleich nachmittags nach der Schule oder vor dem Abendbrot sein. Überlegen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind, wann für dieses eine gute Zeit ist, um sich mit den schulischen Hausaufgaben zu beschäftigen. Wichtig ist bei der Kontrolle, dass man eine positive Fehlerkultur pflegt. Vielen Kindern fallen die Aufgaben sichtlich schwer und häufige Fehler treten auf. Hier sollte dennoch ein positives Feedback ihrerseits im Mittelpunkt stehen, da sich ihr Kind um eine Lösung bemüht hat. Weitere Probleme bei der Erledigung können jedoch viele Ursachen haben. Schulpsycholog/innen können Sie hier individuell beraten.

2. Ich sitze jeden Tag bei den Hausaufgaben meines Kindes dabei. Ist das sinnvoll?

Es ist wichtig zu klären, was der Grund für das "Dabeisitzen" ist. Ist Ihr Kind mit den Hausaufgaben überfordert und kann diese nicht alleine bewältigen? Dann sollten Sie dies den Lehrkräften mitteilen und gemeinsam nach einer Lösung suchen. Oder haben Sie das Gefühl, dass Sie Ihr Kind ständig zum Weiterarbeiten antreiben müssen? Dann ist es wichtig, dass Ihr Kind lernt, zumindest über einen kleinen Zeitraum selbstständig zu Arbeiten. Sie können beispielsweise ein kurzes Zeitintervall (z. B. 5 Minuten) festlegen, in dem Ihr Kind die Aufgaben selbstständig bearbeitet, nachdem geklärt wurde, was zu tun ist. Diesen Zeitraum können Sie dann langsam steigern. Häufig reagieren Kinder auf Druck und "Antreiben" mit noch mehr Passivität oder Verweigerung. In dem Sie Ihr Kind ständig Antreiben, bringen Sie es um eine wichtige Gelegenheit, Selbstständigkeit zu erlernen.

3. Mein Kind sitzt fast jeden Tag mehrere Stunden an den Hausaufgaben. Was kann ich machen?

Die Lehrkräfte Ihres Kindes können Ihnen darüber Auskunft geben, wie lange die Hausaufgaben ungefähr dauern sollten. Braucht Ihr Kind deutlich länger, so sollten Sie dies rückmelden und gemeinsam nach Lösungen suchen. Möglicherweise ist Ihr Kind überfordert oder hat Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren, dann sind weiterführende Hilfen notwendig. Generell gilt, dass besonders für Grundschüler/-innen die freie Zeit am Nachmittag sehr wichtig ist. Besprechen Sie mit den Lehrkräften, nach welcher Zeitdauer Sie die Bearbeitung der Hausaufgaben abbrechen sollen, egal viel das Kind bisher geschafft hat.

4. Mein Kind hört bei den Hausaufgaben und beim Lernen immer Musik. Kann man so lernen?

Wenn die Musik dem Kind hilft, sich besser zu konzentrieren, ist gegen das Musikhören nichts einzuwenden. Wenn die Ergebnisse darunter leiden, hilft vielleicht ein Kompromiss, z. B. dass beim Abschreiben Musik gehört werden darf, beim Vokabeln Lernen jedoch nicht. Musikhören, PC Spielen oder Fernsehen kann eine Belohnung nach Lernphasen sein, sollte jedoch nicht sämtliche Lernpausen füllen.

Schulnoten und Schulversagen

1. Wie kann ich verhindern, dass mein Kind das gleiche Schulversagensschicksal wie mein Bruder erlebt?

Selbstverständlich möchten Sie Ihrem Kind ersparen, die selben schlechten Erfahrungen zu machen. Leider können Befürchtungen dieser Art jedoch tatsächlich dazu führen, dass das gefürchtete Ereignis eintritt ("sich selbst erfüllende Prophezeiung"). Es ist wichtig, sich darüber im Klaren zu sein, dass Ihr Kind ein selbstständiger Mensch mit eigenen Interessen, Stärken und Schwächen ist und ihm die Freiräume zu gewähren, sich zu entwickeln. Ein ständiges Vergleichen wirkt dabei eher einschränkend. Am besten können Sie Ihr Kind unterstützen, in dem Sie ihm Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten signalisieren und vorleben.

2. Was kann ich tun, wenn mein Kind mit schlechten Noten nach Hause kommt?

Auch wenn Ihr Kind möglicherweise den Anschein erweckt, den schlechten Noten gleichgültig gegenüberzustehen, so ist dies in den meisten Fällen nicht der Fall. Suchen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind nach Lösungen und Unterstützungsmöglichkeiten. Fragen Sie es, welche Hilfe es sich von Ihnen wünscht.

3. Ist es falsch, wenn ich hoffe, dass mein Kind einmal das erreicht, was mir versagt blieb?

Verständlicherweise möchten Eltern das Beste für ihr Kind. Es besteht jedoch die Gefahr, dass dadurch ein hoher Erwartungsdruck entsteht, zum Beispiel wenn erhofft wird, dass das Kind einen höheren Schulabschluss erreicht, als seine Eltern. Dieser Druck kann beim Kind zu Ängsten und Verweigerungshaltung führen. Auch hier gilt: Am besten unterstützen Sie Ihr Kind, in dem Sie ihm Zutrauen in die eigenen Fähigkeiten signalisieren und vorleben.

Konzentration

1. Mein Kind kann sich nicht konzentrieren, was kann ich dagegen tun?

Jede Mutter bzw. jeder Vater kann auf Anhieb Gelegenheiten benennen, wo sich das eigene Kind sehr wohl konzentrieren kann. Wenn sich ein Kind also konzentrieren kann, dann ist ein anscheinender Konzentrationsmangel eine Situation, wo ein Kind nicht das anwendet, was es kann. Es ist also nicht so sehr eine Frage, ob ein Kind sich konzentrieren kann oder nicht, sondern vielmehr die Frage, warum ein Kind sich zum Beispiel im Unterricht nicht konzentriert zeigt. Es gibt dafür viele mögliche Gründe, die es gilt zu erforschen. Auch hier kann eine schulpsychologische Beratung helfen.